[Michaela-Didyk Newsletter] Für Buchtipps geeignet: Dichter der Moderne - fast schon Klassiker
Michaela Didyk
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Mo Nov 10 13:33:16 CET 2008
Liebe Leserinnen und Leser,
die erste Schreibnacht online hing tags darauf noch etwas in den
Knochen, doch der poetische Ausflug ins 'Nebelland' hat zu höchst
abwechslungsreichen Gedichten inspiriert. Das trägt die Begeisterung
für ein neues Experiment weiter. Am 27. 11., dem letzten Donnerstag im
November, gibt es daher eine online-Sternennacht. Harald Hartungs
Gedichtzeile "Sterne sagt sie Sterne sind so wichtig" liefert das
Motto, um dem beliebten Bildmotiv neue Seiten abzugewinnen. Details zu
den Schreibnächten erfahren Sie hier:
http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/schreibnaechte/
Im November findet auch der letzte Teilkurs der Lektoratsreihe "Verse
mit Schliff" statt. Dieses Mal geht es um den Schritt der
Veröffentlichung. Lesen Sie mehr weiter unten.
Schließlich können Sie unter
http://www.unternehmen-lyrik.de/newsletter/rezensionen/ auch eine neue
Rezension aufrufen. Als erster Buchtipp für Ihre vorweihnachtliche
Geschenkliste lässt sich dann vielleicht der Briefwechsel zwischen
Ingeborg Bachmann und Paul Celan notieren.
Viel Spaß beim heutigen Newsletter, der zudem mit drei zeitgenössischen
- nahezu "klassischen" - Lyriker/inne/n aufwartet.
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1. Lyrik im Elfenbeinturm oder der harte Weg der Veröffentlichung
2. Erich Fried: Ein politischer Dichter, der über die Liebe schrieb
3. Christoph Meckels Erinnerung an Marie Luise Kaschnitz
4. Ein runder Geburtstag: Peter Härtling wird 75 Jahre
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1. Lyrik im Elfenbeinturm oder der harte Weg der Veröffentlichung
Die Regale mit Lyrik, wenn es sie überhaupt in einer Buchhandlung gibt,
sind schmal. Noch immer gilt die Lyrik auf dem Buchmarkt als Stiefkind.
Denn einen Gedichtband herauszugeben, rechnet sich für einen Verlag zu
wenig. Seriöse Literaturagenten, die Gedichte an renommierte Verlage
bringen, sucht man vergebens. Was macht also ein Dichter, eine
Dichterin, die endlich ihre Texte zwischen zwei Buchdeckeln
veröffentlicht sehen will - und zwar ohne dass das eigene Portemonnaie
strapaziert wird.
Der erste Schritt ist die professionelle Zusammenstellung eines
Manuskriptes, die Recherche passender Verlage, die Einsendung der
Unterlagen, die Fähigkeit, zäh durchzuhalten und Frustration in
Motivation zu verwandeln. Der zweite Schritt ist das Sichten effektiver
Nebenwege oder Zwischenstufen, die vielleicht - zusammen mit der großen
Portion Glück, die es braucht - dem Aufbau des eigenen Namens dienen
und doch irgendwann etablierte Verlagstüren öffnen.
Der letzte Kursteil der online-Lektoratsreihe "Verse mit Schliff"
vermittelt zum einen das Handwerk, sich mit seinen Gedichten bei
Verlagen professionell zu präsentieren, zum anderen hilft er, eine
individuelle Strategie zu erarbeiten, mit der die Hürden auf dem Weg in
die Öffentlichkeit leichter genommen werden. In zwei intensiven Tagen
schaffen Sie sich eine Basis, Ihren Wunsch nach einer Veröffentlichung
Schritt für Schritt anzugehen.
Weitere Informationen: <
http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrikkurse-online/verse-mit-
schliff/ >
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2. Erich Fried: Ein politischer Dichter, der über die Liebe schrieb
Am 22. November jährt sich der 20. Todestag von Erich Fried. Der 1921
in Wien geborene Dichter, der seit seiner Flucht vor den
Nationalsozialisten in London lebte, starb 1988 nach langwierigem
Krebsleiden in Baden-Baden, wo er während Fernsehaufnahmen ins
Krankenhaus eingeliefert werden musste. Frieds Grab befindet sich auf
dem Londoner Kensal Green.
Nach der Verhaftung der Eltern, dem Tod des Vaters infolge eines
Gestapo-Verhörs, schließlich der Kündigung der Wohnung in Wien floh der
damals 17-jährige Fried 1938 nach England. In London gründete er die
Selbsthilfegruppe "Emigrantenjugend", trat Flüchtlingsverbänden bei und
half zahlreichen Menschen, den Nationalsozialisten zu entkommen.
In Exilzeitschriften veröffentlichte Fried 1940 erste Gedichte, 1941
wurde in London sein Einakter "Ring-Rund" aufgeführt, 1944 erschien
sein Gedichtband "Deutschland". Neben den zahlreichen eigenen
Gedichten, Romanen und Theaterstücken arbeitete der Autor zudem als
Übersetzer und schuf Nachdichtungen zu Texten von Dylan Thomas, T. S.
Eliot und vor allem Shakespeare.
Vietnam, der Sechs-Tage-Krieg, das Attentat auf Rudi Dutschke oder die
Demonstration gegen die Notstandsgesetze - Erich Fried, mit Preisen
bedacht und angesehen, bezog vehement politische Stellung. Sein
Telegramm, das beim Begräbnis Ulrike Meinhofs verlesen wurde, löste
genauso wie sein Gedicht "Auf den Tod des Generalbundesanwalts
Siegfried Buback" heftige Gegenreaktionen aus. Immer wieder gab es
Vorstöße, Frieds Texte für den Schulunterricht zu verbieten und aus den
Lesebüchern zu streichen.
Verfolgt man Erich Frieds Lebensgeschichte, zeichnet sich ein dichter
Weg mit ungezählten Veröffentlichungen, Vorträgen, Ehrungen, Lesungen
und vor allem Diskussionen ab. Fried besuchte Auschwitz, wo seine
Großmutter umgekommen war, nahm zur englischen Staatsbürgerschaft 1982
auch wieder die ursprünglich österreichische an. Er zog sich auf keine
Leidensposition zurück, sondern provozierte und kämpfte für
(Meinungs)Freiheit und Frieden, reflektierte die Möglichkeiten der
Literatur hierfür. In seiner klaren und verknappten Sprache rüttelte er
mit den politischen Texten seine Leser - oft irritierend - wach, mit
seinen Liebesgedichten, die der dreimal verheiratete Autor 1979
veröffentlichte, schuf er sich dagegen fast eine "Fan-Gemeinde".
"Wohin?" betitelte Fried eines seiner Gedichte, das im Resümee auch
auf sein Leben zu passen scheint: "Also zum Tod?/ Aber ohne die
Auflehnung/ ohne das Mitleid/ ohne die Liebe/ was wäre das Leben?"
(Erich Fried: Gedichte. Philipp Reclam Verlag. Stuttgart 1993. S. 18)
Die offizielle Fried-Seite beim Wagenbach-Verlag: <
http://www.erich-fried.de/start.htm >
Internationale Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache: <
http://www.literaturhaus.at/autoren/F/fried/gesellschaft/ >
Fried-Projektseite von Inga Janzen < http://www.erichfried.de >
Auswahl aus dem reichen Werk Erich Frieds (bei amazon):
Neu erschienen: Politische Gedichte. Vietnam, Israel, Deutschland.
Ausgewählt und mit einem Nachwort von Christoph Buchwald <
http://bloat.me/TfKC >
Gedichte. Hrsg. v. Alexander von Bormann < http://bloat.me/Gvev >
Es ist was es ist: Liebesgedichte Angstgedichte Zorngedichte <
http://bloat.me/8SCp >
Liebesgedichte. Gelesen von Erich Fried. Audiobook <
http://bloat.me/5p4j >
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3. Christoph Meckels Erinnerung an Marie Luise Kaschnitz
"Wohl denen die gelebt" nennt Christoph Meckel seinen Erinnerungsband
an die große Dichterin, die er Anfang der 60er Jahre kennenlernte.
Doppelt so alt wie Meckel, der damals als hoffnungsvoller Dichter und
Künstler durch die Welt trampte, formierte sich ein ungleiches Paar,
das sich über Jahre hinweg zu Gesprächen traf und in gegenseitiger
Wertschätzung über Texte, Sprache und Dichtung austauschte.
Die geborene Freifrau von Holzing-Berstett und der "junge Wilde" hatten
gemeinsame Bezugspunkte - die politisch linke Ausrichtung sowie die
enge Bindung an die südbadische Landschaft. Meckel, der in der Nähe
Freiburgs aufgewachsen war, kannte das Schloss, den Familiensitz in
Bollschweil, wohin sich die Dichterin nach dem Tod ihres Mannes, des
Kunsthistorikers Guido Kaschnitz von Weinberg (1958), immer wieder
zurückzog. Als Meckel eines Tages vorbeikam, nahm er - unangemeldet -
die Gelegenheit zu einem ersten Besuch wahr. Immerhin hatte ihm Marie
Luise Kaschnitz nach der Lektüre einiger seiner Gedichte geschrieben.
Mit diesem "Sommertag im Schlosspark" begann der kollegiale Austausch:
"Während ich mit ihr sprach und sie mit mir, stellte ich fest, dass ich
mich in einem Gespräch befand, das wirklich eines war, ohne anberaumt,
beabsichtigt, unternommen worden zu sein. Zur Kunst ihres Gesprächs
gehörte, dass sie Fragen stellte, aufmerksam zuhörte und gern
vorgelesen bekam, am liebsten Gedichte und Prosa, die sie nicht kannte.
Es gefiel ihr, wenn eine Prosa Handlung enthielt, Gestalten erkennbar
machte, sie sprach dann davon wie aus eigenem Erinnern."
Christoph Meckel zeichnet das Bild der späten Dichterin. Sein
Erinnerungsband mit eigenen Grafiken sucht keine Idealisierung der
Kaschnitz, sondern verdichtet in einzelnen Erzählbildern Ausschnitte,
Bruchstücke einer Begegnung.
Eine weiterführende Besprechung (Deutschlandfunk) finden Sie hier:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/868418/
Ausführliche Informationen zu Leben und Werk Marie Luise Kaschnitz'
erhalten Sie mit diesem Link zur Jubliläumsseite, die die Stadt
Frankfurt am Main der Dichterin zum 100. Geburtstag 2001 widmete:
<http://www.kaschnitz.de/sites/homefr.html>
Der Band mit Grafiken (bei amazon):
Christoph Meckel: Wohl denen die gelebt. Erinnerung an Marie Luise
Kaschnitz. < http://bloat.me/VUML >
Marie Luise Kaschnitz: Gedichte. Ausgewählt von Elisabeth Borchers. <
http://bloat.me/1AIj >
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4. Ein runder Geburtstag: Peter Härtling wird 75 Jahre
Journalist, Herausgeber und Cheflektor zum einen, Autor zum anderen,
kennt Peter Härtling den Literaturbetrieb von beiden Seiten. Am 13.
November 1933 in Chemnitz geboren, floh Härtling mit seinen Eltern kurz
vor Ende des Krieges zwar nach Niederösterreich. Doch der Vater starb
1945 in russischer Kriegsgefangenschaft, die Mutter beging daraufhin
Selbstmord. Mit 13 Jahren Vollwaise, schrieb und veröffentlichte
Härtling, nach Deutschland zurückgekehrt, bereits als Schüler seinen
ersten Gedichtband, mit 19 Jahren begann er seine Laufbahn als
Zeitungsvolontär und rückte rasch zum Feuilletonchef auf. In den Jahren
1967-1973 leitete er den Frankfurter S. Fischer Verlag und lebt nun als
freier Schriftsteller, Poetikvorlesungen an den unterschiedlichen
Universitäten mit eingeschlossen.
Hölderlin, Schubert, Schumann - immer wieder rückten Künstlerbiografien
ins Schreibinteresse Härtlings. 1990 stand mit "Herzwand" die eigene
Person im Brennpunkt. Auch für Kinder und Jugendliche entstanden
Romane. "Oma", "Ben liebt Anna" und "Sofie macht Geschichten" wurden in
Deutschland wie in der Schweiz mit Jugendbuchpreisen ausgezeichnet.
Biografien verfasste und liest Peter Härtling (auf CD) ebenfalls für
die junge Generation, so zum Beispiel die Lebensgeschichte Mozarts oder
Schillers. Seine neueste Erzählung "O'Bär an Enkel Samuel" zeigt in
gleicher Weise, dass der Kontakt zwischen den Generation Härtling
wichtig ist.
Die Lyrik kommt bei alledem nicht zu kurz. Auch in dieser Gattung
stellt Peter Härtling neue Werke vor: "Meine 75 Gedichte und zehn neue"
und "Sätze von Liebe" heißen seine beiden aktuellen Lyrikbände.
Am 11. November feiert das Literaturhaus Stuttgart den Jubilar mit
Gespräch und Lesung sowie einem Filmporträt von Ute Heer: <
http://www.literaturhaus-stuttgart.de/index2.html >
Das SWR-Fernsehen wiederholt diesen Film am 13. November um 23 Uhr, in
dem Peter Härtling seine Lebensgeschichte aufrollt und mit reichlichem
Archivmaterial belegt.
Textauswahl Peter Härtling (bei amazon):
Meine 75 Gedichte und zehn neue < http://bloat.me/KmpX >
Sätze von Liebe: Ausgewählte Gedichte < http://bloat.me/DEVb >
Hölderlin <http://bloat.me/ZdIX >
Schumanns Schatten < http://bloat.me/nIUf >
O'Bär an Enkel Samuel: Eine Erzählung mit fünf Briefen <
http://bloat.me/LtZV >
Biographien für Kinder (Box-Set) < http://bloat.me/9OyW >
Sophie macht Geschichten < http://bloat.me/kbe3 >
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Mit dem Stichwort "Erinnerung" kündigt sich der nächste Newsletter für
Ende November an. Bis dahin grüßt Sie herzlich
Ihre
Michaela Didyk
Sollten sich beim Öffnen der Seiten mit den Links Probleme ergeben,
können Sie die Informationen direkt auch unter
http://unternehmen-lyrik.de/newsletter/archiv aufrufen.
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