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[Michaela-Didyk Newsletter] "BeGEISTert dichten" - am Faden der Erinnerung zur Quelle der Inspiration

Michaela Didyk info at michaela-didyk.de
Di Dez 2 00:44:51 CET 2008


Liebe Leserinnen und Leser,

"BeGEISTert dichten" heißt eine zweite Reihe von online-Kursen, bei 
denen Sie ähnlich den Schreibnächten für jeweils einige Stunden zum 
lyrischen Schaffen eingeladen sind. Bei diesem Zyklus steht die 
Inspiration und ihre Verknüpfung mit archaischem Wissen im Mittelpunkt 
- eine Angelegenheit der Quellgeister und Musen also.
Diese können auch in unseren Tagen noch "Flow" erzeugen, egal ob zu 
dritt oder zu neunt. Sie gelten als Töchter der Quellgöttin 
"Mnemosyne", und noch Dante ruft sie zu Beginn seiner "Göttlichen 
Komödie" allesamt an, wendet er sich doch neben den Musen an das 
Gedächtnis, an die Erinnerung, griechisch Mnemosyne, um das 
wiederzugeben, was er in der Quelle geschaut hat.
So zieht sich der Faden der Erinnerung quer durch den heutigen 
Newsletter. In Erika Wagners aktuellem Kunstprojekt, das sie zum 
Abschluss ihres sechsmonatigen Arbeitsaufenthalts im Atelier VISARTE in 
Neuchâtel zeigt, entdecken Sie eine moderne Gedächtnisspur.

Viel Spaß bei der Lektüre!

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1. Erika Wagner: Bildschichten der Erinnerung
2. A. E. I. O. U. - Gedichte zwischen Büchern aus Blei und 
Dornengestrüpp: Anselm Kiefer
3. "BeGEISTert dichten" - ein archaischer Zugang zur Inspiration
4.  "Maquina poetica" als digitale Muse sowie "Beethovens Neunte" mit 
den beiden Gewinnerinnen des Sommerrätsels

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1. Erika Wagner: Bildschichten der Erinnerung

"Ich habe da, glaube ich, ein Material gefunden, das mir für meine Art 
zu arbeiten und für die Thematik der Erinnerung sehr geeignet scheint: 
die nachleuchtende Folie, auf welcher Bilderüberlagerungen noch eine 
Weile sichtbar bleiben und dann langsam vergehen." Die Luzerner 
Lyrikerin und Künstlerin Erika Wagner (*1974), deren "Interaktive 
Medien-Installation zum Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und 
Hans-Werner Henze" Sie im vergangenen Sommer schon kennen lernten, 
stellt in einer Werkschau vom 13.-19. Dezember 2008 ihre neuen Arbeiten 
vor.
Das Thema "Erinnerung" bildet eine Konstante in ihrem Schaffen. Schon 
der rote Pullover in "erinnern und vergessen", einer Installation aus 
dem Jahr 2003, der überdimensional und einer Stoppschranke gleich seine 
Ärmel durch den Raum streckte, dann seine Fülle und Fäden zu stauen 
begann, vermittelte die Dichte der Gedanken und Gefühle, die im Blick 
auf Vergangenes ambivalent aufbauend und zugleich einengend aufsteigen.
Um die Ablagerung von Bildern und Eindrücken, von Emotionen in unserer 
Erinnerung, geht es auch in den Zeichnungen, in den Videos und den 
Fotografien oder Projektionen der jüngsten Zeit.
In pastellfarbenen Tönen fängt Erika Wagner im Video das Licht des 
Neuenburger Sees ein, es ist ein kontemplativer Blick. Ein Bild geht 
langsam in ein anderes über. Durch Überblendungen entstehen neue 
Bilder, dem Betracher eröffnen sich eigene Assoziationsräume. Oft sind 
nur Konturen als fein gezeichnete Linie sichtbar oder der Umriss löst 
sich in Weiß auf. Dadurch verstärkt sich der Eindruck, ins Endlose, ins 
Nichts zu blicken, aus dem immer wieder etwas auftaucht, sich über die 
Bildfläche bewegt und vergeht. In ihren Arbeiten mit nachleuchtender 
Folie fügt sie im Nachhinein Konturen aus der Erinnerung hinzu oder 
trägt Umrisse und Lichtspuren auf dunklem Untergrund auf, so dass aus 
den Bilderschichten gleichsam "Nachtansichten" entstehen und sich 
gedachte Innenräume öffnen. "Auf einen Ort bezogen", so fasst sie als 
Artist in Residence ihre Arbeitsweise für Neuchâtel zusammen, "ist es 
ein Gemisch von Erwartungen, Wünschen, erzeugt auch durch Bilder im 
Internet und der Werbung, und dem, was ich persönlich wahrnehme und 
empfinde, wenn ich offen durch einen mir nicht vertrauten Ort gehe."
Die Vernissage im offenen Atelier VISARTE / Neuchâtel findet am 12. 
Dezember ab 19 Uhr statt: 
<http://www.erikawagner.ch/erikawagner/aktuell.html>
Einen ersten Eindruck von den neuen Werken gewinnen Sie hier: Video 
<http://www.unternehmen-lyrik.de/index.php?id=139> Nachleuchten 
<http://www.unternehmen-lyrik.de/index.php?id=140>
Interaktive Medien-Installation Bachmann/Henze: <http://bloat.me/wHtZ>
Weitere Installationen und Videos, szenografische Einblicke sowie eine 
Auswahl an Gedichten finden Sie auf der Website der Künstlerin 
<http://www.erikawagner.ch>

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2. A. E. I. O. U. - Gedichte zwischen Büchern aus Blei und 
Dornengestrüpp: Anselm Kiefer

Wie sehr sich Anselm Kiefer (*1945) Paul Celan und Ingeborg Bachmann 
verbunden fühlt, machte der Künstler bei seiner Rede zum Friedenspreis 
des Deutschen Buchhandels deutlich. In seinen Werken  tauchen deren 
beider Verse wiederholt auf, verweisen Namen auf Dichter/in und Text. 
Kiefers Themen sind Zeit und Erinnerung, das Wachhalten von Erfahrung 
und Geschichte entgegen vorschnellem Einverleiben und Auslöschen. Als 
Provokation galten daher in den frühen Jahren viele seiner Bilder, mit 
denen er die deutsche Vergangenheit aufrief.
A. E. I. O. U., ein begehbarer Kubus in der Altstadt von Salzburg, 
nimmt das Nomadisieren als Grundgegebenheit unserer Existenz auf. "Wach 
im Zigeunerlager und wach im Wüstenzelt" zitiert der Künstler eine 
Strophe aus Bachmanns "Das Spiel ist aus". Das Sandbild, das in 
Anspielung auf die Erfindung der Keilschrift Lehmziegel zeigt, ist mit 
Natodraht bespannt. Dem großformatigen Gemälde gegenüber lagern in 
einem Regal 60 Bleibücher, aus denen marokkanisches Dornengestrüpp zu 
wachsen scheint. Ein "Zwiegespräch" beginnt, wenn der Betrachter 
hinzukommt. Denn in eine Art Dornröschenschlaf sieht Anselm Kiefer 
seinen Raum versunken, der auf Erlösung wartet.
Anselm Kiefers Kunstwerk A.E.I.O.U. <http://bloat.me/VOoP>
Wenn Sie mehr von Kiefers Bezug zur Literatur erfahren möchten, führt 
Sie dieser Link weiter: <http://bloat.me/W9fX> Die unterschiedlichen 
Frauen, gleichsam Musen, die der Künstler - sei es aus Mythologie, 
Literatur oder Geschichte in sein Werk einbezieht, finden Sie in diesem 
Beitrag zusammengestellt und beleuchtet: <http://bloat.me/zVsH>

Der österreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr (*1954) 
beschreibt in einem euphorischen Rückblick seine Begegnung mit Anselm 
Kiefer, den er im Jahr 2000/ 2001 in seinem Domizil in Südfrankreich 
besuchte: "Der Ungeborene oder Die Himmelsareale des Anselm Kiefer" : 
<http://bloat.me/VtrR>

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3. "BeGEISTert dichten" - ein archaischer Zugang zur Inspiration

Poetisches Handwerk, Inspiration und Öffentlichkeit durch Lesung sind 
die drei Bausteine, die Unternehmen Lyrik in seinem Kurs- und 
Förderprogramm bietet. In einer experimentellen Reihe von 
Schreibtreffen online soll der kreative "Flow" durch die schamanische 
Praxis (siehe Vita <http://www.unternehmen-lyrik.de/ueber-mich/>) 
angeregt werden. Die acht - auch einzeln buchbaren - Termine bestimmt 
der Jahreszyklus mit seinen Lichtfesten, bringt doch das jeweilige 
Verhältnis von Tag und Nacht auch einen unterschiedlichen Energiefluss 
mit sich, der sich für die Inspiration nutzen lässt.
Sie erfahren mit jedem Kursabend nicht nur ein Wissensfundament zur 
Natur der einzelnen Jahresabschnitte, sondern öffnen sich in einem 
ganzheitlichen Blick unterschiedliche Zugänge zu Ihrem Schreiben. Sie 
lernen, Blockaden zu lösen, Ihren Zensor in einen konstruktiven 
Kritiker zu verwandeln, Ihre Schwächen beim Schreiben in Stärken zu 
verwandeln.
Der achtteilige Zyklus beginnt mit dem "spielerischen Loslegen" beim 
Schreiben, dem Vertrauen auf den schöpferischen Impuls und dem 
Loslassen von Erwartungen. Auch wenn der Termin am 18. Dezember in den 
vorweihnachtlichen "Endspurt" fällt, sind Sie - der Jahresreigen gibt 
es mit dem ersten Anwachsen des Lichtes so vor - zum "Südfest", zur 
Wintersonnenwende eingeladen. Vielleicht entsteht so über das Dichten 
hinaus eine "Ruheinsel" im Alltag und eine neue Form der kreativen 
Einstimmung auf die gewohnten Weihnachtstage. Die Details finden Sie 
hier:
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/begeistert-dichten/>

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4.  "Maquina poetica", die digitale Muse sowie "Beethovens Neunte" mit 
den beiden Gewinnerinnen des Sommerrätsels

Die Lose beim "Geburtstagsrätsel" des Newsletters sind gezogen. Ingritt 
Sachse (Bonn) und Evelyne Lauber (Reinach/ Basel) waren mit der Antwort 
"Beethovens Neunte" die Glückspilze und entschieden sich unter den 
Preis-CDs für Paul Celans: "Ich hörte sagen" beziehungsweise die 
Hörfassung von Hans Magnus Enzensbergers:  "Das Wasserzeichen der 
Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu hören". Den beiden 
Gewinnerinnen hier nochmals Glückwünsche und allen, die mitgemacht 
haben, ein herzliches Danke. Bis zum nächsten Sommer dauert es noch 
eine Weile, aber dann haben Sie erneut Gewinnchancen.
Hans Magnus Enzensberger versteckt sich hinter dem Pseudonym Andreas 
Thalmayr, dessen Buchfassung "Das Wasserzeichen der Poesie oder Die 
Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen" der CD vorausging und immer 
noch eine der besten Quellen für die poetische Inspiration ist.
Enzensberger hat sogar einen Poesie-Automaten entwickelt, der ähnlich 
einer Ankunftstafel auf den Flughäfen Gedichte auf Knopfdruck freigibt. 
Aber wie Enzensberger in seinen Erläuterungen zum Automaten feststellt, 
kommt es immer auf den "input" an, der den "output" in seiner Qualität 
steuert. Das zeigt sich bei den oft lapidaren Ergebnissen der 
Gedichtautomaten, die es inzwischen auch im Internet gibt. Positiv 
aufgefallen ist mir bei der Recherche "Machina poetica". Sollte Ihre 
Muse also einmal doch ausbleiben, kann dieser Link Ihren Schreib- und 
Spieltrieb wieder anregen und darüber hinaus einiges zur Tradition der 
Schreibautomaten verraten: <http://www.maquina-poetica.net/>

Zur Auflösung des Sommerrätsels gelangen Sie über diesen Link: 
<http://www.unternehmen-lyrik.de/index.php?id=141>
Andreas Thalmayr: Wasserzeichen der Poesie <http://bloat.me/roaR>
Hans Magnus Enzensberger: Einladung zu einem Poesie-Automaten: 
<http://bloat.me/I4dy>
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Musen und Erinnerung - Norbert Hummels Übersetzung von T. S. Eliots 
Gedicht "The Waste Land" sei Ihnen zum Schluss noch als Buchempfehlung 
mitgegeben. Die Kraft der Inspiration wie deren Herausforderung an 
einen Dichter werden hier deutlich, der Text wird zu einem "heilenden 
Gesang", der den Künstler als Schamanen ausweist. 
<http://bloat.me/Le4b>

Eine Adventszeit mit vielen Impulsen und zuversichtlicher Umsetzung 
wünscht Ihnen
Ihre
Michaela Didyk


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