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[Michaela-Didyk Newsletter] Gedenktage der Poesie

Michaela Didyk info at michaela-didyk.de
Mi Mär 21 17:12:24 CET 2007


Liebe Leserinnen und Leser,

ein Newsletter voller Gedenk- und Festtage kommt Ihnen ins Haus: Heute 
ist nicht nur Frühlingsbeginn, sondern auch der "Welttag der Poesie".  
Morgen, am 22. März, jährt sich der 175. Todestag Johann Wolfgang 
Goethes.  Seinen 75. Geburtstag feiert schließlich der Erzähler und 
Lyriker Günter Herburger am 6. April.

Viel Spaß bei der Lektüre!


1. Jährlich zum Frühlingsanfang
2. Nachgefragt bei Goethe
3. Goethes Hinwendung zum Orient
4. "Gedichte wie Luftschiffe"

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1. Jährlich zum Frühlingsanfang

Seit dem Jahr 2000 gibt es den "Welttag der Poesie". Wussten Sie, dass 
die UNESCO  diesen Gedenktag am Frühlingsbeginn einrichtete, um an den 
"Stellenwert der Poesie, die Vielfalt des Kulturgutes Sprache und die 
Bedeutung mündlicher Traditionen" zu erinnern? Mit Lesungen (verstärkt 
am 21. März), Ausschreibungen und Publikationen soll die Lyrik 
gefördert werden. Denn die Dichtkunst braucht laut UNESCO  "auch im 
Zeitalter der neuen Informationstechnologien einen wichtigen Platz im 
kulturellen und gesellschaftlichen Leben".

< http://www.unesco.de/welttag-poesie.html?&L=3 >
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2. Nachgefragt bei Goethe

Klassiker sterben nicht. Und sei es, dass sie durch Parodien, in denen 
sie "durch die Tinte gezogen" werden, ihre Lebendigkeit bewahren. Eine 
humorvolle Hommage präsentiert Manfred Wolf pünktlich zum Jahrestag. Er 
hat das Werk durchforstet und den Meister zu 88 Stichworten befragt. 
Von Aberglaube über Bier, Frauen bis zu Rauchen, Zeit oder Zufall - die 
Antworten Goethes geben zu denken:

Frage: Auch ein Autor sieht im Hungern nicht sein oberstes Berufsziel. 
Bedeutet das Schreiben nach Lesergeschmack?
Goethe: Die größte Achtung, die ein Autor für sein Publikum haben kann, 
ist, daß er niemals bringt, was man erwartet, sondern was er selbst auf 
der jedesmaligen Stufe eigner und fremder Bildung für recht und 
nützlich hält.
Frage: Raten Sie, immer gleich zu heiraten, wenn man sich liebt?
Goethe: Wer wird sich denn gleich heiraten, wenn man liebt? Liebe ist 
etwas Ideelles, Heiraten etwas Reelles, und nie verwechselt man 
ungestraft das Ideelle mit dem Reellen.
Frage: Zusammen eine zu rauchen, das galt einmal als Ausweis der 
Geselligkeit ...
Goethe: Es liegt im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente 
Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und 
ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu 
rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu 
treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne 
umzukommen?
Frage: Sollte man jeden Gedanken aussprechen?
Goethe: Gar vieles kann, gar manches muß geschehn, was man mit Worten 
nicht bekennen darf.

Wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind:
Manfred Wolf (Hg.): Leser fragen - Goethe antwortet. Klassische 
Lebenshilfe von Herrn G.
Eichborn Verlag. Frankfurt am Main 2007

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Buch < http://tinyurl.com/38sum9 >
Audio CD  < http://tinyurl.com/25xb3f > (Audio CD)
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3. Goethes Hinwendung zum Orient

Goethes "West-östlicher Divan" fand beim Publikum wenig Anklang. Der 
Blick in den Orient und das  Interesse für den Islam, das Goethe schon 
zu Studienzeiten zeigte,  war für manchen Rezipienten mit dem Bild des 
deutschen Klassikers nicht zu vereinen. Dabei ist laut Katharina 
Mommsen, die das Verhältnis Goethes zum Islam erforscht hat,  bereits 
in einem Entwurf des frühen Dramas "Götz von Berlichingen" eine 
Koransure zitiert. Der alte Goethe stimmte  vor allem mit der 
Hauptlehre der Schicksalsergebenheit und Offenbarung Gottes in der 
Natur überein. Die Gedichtsammlung des "West-östlichen Divan" weist 
Johann Wolfgang Goethe als guten Kenner des Koran und der arabischen 
Dichtung aus. Gleichwohl wahrte er, etwa hinsichtlich der 
nachgeordneten Stellung der Frau oder des Weinverbots, Distanz in 
ironisch-kritischen Versen.

bei amazon:
West-östlicher Divan. Studienausgabe Reclam Verlag  < 
http://tinyurl.com/26x5bc >
Sämtliche Gedichte. Sonderausgabe Insel Verlag < 
http://tinyurl.com/37al3o >
Katharina Mommsen: Goethe und der Islam. Insel Taschenbuch < 
http://tinyurl.com/2by6hv >
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4. Gedichte wie Luftschiffe

"An Drachen hängen und über Schneefelder fliegen", so beginnt ein 
Gedicht Günter Herburgers. Der Erzähler und Lyriker, der 1932 im Allgäu 
geboren wurde, geht ungewöhnliche Wege. Als 22-jähriger 
Sanskrit-Student bricht er in die Welt auf, verdingt sich als 
Straßenarbeiter, lebt im Armenviertel. Gut 50-jährig wird er zum 
Marathonläufer, startet in aller Welt - schweißtreibende Exerzitien zur 
Sensibilisierung seiner Wahrnehmung. Vor allem seine "Laufbücher" 
("Lauf und Wahn" / " Traum und Bahn") bezeugen phantasievoll den (nicht 
nur erzählerischen) Zickzackkurs über den Erdball. In seiner Lyrik hebt 
sich Herburger in die Lüfte. Im Vorwort zu "Orchideen" (1977) empfiehlt 
er "Gedichte wie Luftschiffe zu benützen, denn wer nicht zu fliegen 
wage, verzichte auf Übersicht und Mut".  Ob "Im Gebirge" (1998) oder  
mit dem Ziel auf "Die fliegende Festung"  (2002) - beide Lyrikbände 
sprechen für die reiche Imaginationslust des Jubilars. Gedichte "wie 
vollgestopfte Schubladen, die klemmen", heißt das Schreibprinzip, dem 
Günter Herburger seit Jahrzehnten folgt.

bei amazon:
"Lauf und Wahn" < http://tinyurl.com/2f2amh >
"Traum und Bahn" < http://tinyurl.com/2vvemx >
"Im Gebirge" < http://tinyurl.com/2cnry3 >
"Die fliegende Festung" <http://tinyurl.com/2ds6ns >

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Der "Tag des Buches" am 23. April ist ein anderes UNESCO-Projekt. Der 
Newsletter im April wird seinen Schwerpunkt darauf ausrichten.

Mit besten Frühlingsgrüßen
Ihre
Michaela Didyk


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