Liebe Leserinnen und Leser,
ein Newsletter voller Gedenk- und Festtage kommt Ihnen ins Haus: Heute
ist nicht nur Frühlingsbeginn, sondern auch der "Welttag der Poesie".
Morgen, am 22. März, jährt sich der 175. Todestag Johann Wolfgang
Goethes. Seinen 75. Geburtstag feiert schließlich der Erzähler und
Lyriker Günter Herburger am 6. April.
Viel Spaß bei der Lektüre!
1. Jährlich zum Frühlingsanfang
2. Nachgefragt bei Goethe
3. Goethes Hinwendung zum Orient
4. "Gedichte wie Luftschiffe"
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1. Jährlich zum Frühlingsanfang
Seit dem Jahr 2000 gibt es den "Welttag der Poesie". Wussten Sie, dass
die UNESCO diesen Gedenktag am Frühlingsbeginn einrichtete, um an den
"Stellenwert der Poesie, die Vielfalt des Kulturgutes Sprache und die
Bedeutung mündlicher Traditionen" zu erinnern? Mit Lesungen (verstärkt
am 21. März), Ausschreibungen und Publikationen soll die Lyrik
gefördert werden. Denn die Dichtkunst braucht laut UNESCO "auch im
Zeitalter der neuen Informationstechnologien einen wichtigen Platz im
kulturellen und gesellschaftlichen Leben".
<< http://www.unesco.de/welttag-poesie.html?&L=3 >
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2. Nachgefragt bei Goethe
Klassiker sterben nicht. Und sei es, dass sie durch Parodien, in denen
sie "durch die Tinte gezogen" werden, ihre Lebendigkeit bewahren. Eine
humorvolle Hommage präsentiert Manfred Wolf pünktlich zum Jahrestag.
Er hat das Werk durchforstet und den Meister zu 88 Stichworten
befragt. Von Aberglaube über Bier, Frauen bis zu Rauchen, Zeit oder
Zufall - die Antworten Goethes geben zu denken:
Frage: Auch ein Autor sieht im Hungern nicht sein
oberstes Berufsziel. Bedeutet das Schreiben nach Lesergeschmack?
Goethe: Die größte Achtung, die ein Autor für
sein Publikum haben kann, ist, daß er niemals bringt, was man
erwartet, sondern was er selbst auf der jedesmaligen Stufe eigner und
fremder Bildung für recht und nützlich hält.
Frage: Raten Sie, immer gleich zu heiraten, wenn
man sich liebt?
Goethe: Wer wird sich denn gleich heiraten, wenn
man liebt? Liebe ist etwas Ideelles, Heiraten etwas Reelles, und nie
verwechselt man ungestraft das Ideelle mit dem Reellen.
Frage: Zusammen eine zu rauchen, das galt einmal
als Ausweis der Geselligkeit ...
Goethe: Es liegt im Rauchen eine arge
Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten
die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der
nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande,
in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden?
Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?
Frage: Sollte man jeden Gedanken aussprechen?
Goethe: Gar vieles kann, gar manches muß
geschehn, was man mit Worten nicht bekennen darf.
Wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind:
Manfred Wolf (Hg.): Leser fragen - Goethe antwortet. Klassische
Lebenshilfe von Herrn G.
Eichborn Verlag. Frankfurt am Main 2007
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3. Goethes Hinwendung zum Orient
Goethes "West-östlicher Divan" fand beim Publikum wenig Anklang. Der
Blick in den Orient und das Interesse für den Islam, das Goethe schon
zu Studienzeiten zeigte, war für manchen Rezipienten mit dem Bild des
deutschen Klassikers nicht zu vereinen. Dabei ist laut Katharina
Mommsen, die das Verhältnis Goethes zum Islam erforscht hat, bereits
in einem Entwurf des frühen Dramas "Götz von Berlichingen" eine
Koransure zitiert. Der alte Goethe stimmte vor allem mit der
Hauptlehre der Schicksalsergebenheit und Offenbarung Gottes in der
Natur überein. Die Gedichtsammlung des "West-östlichen Divan" weist
Johann Wolfgang Goethe als guten Kenner des Koran und der arabischen
Dichtung aus. Gleichwohl wahrte er, etwa hinsichtlich der
nachgeordneten Stellung der Frau oder des Weinverbots, Distanz in
ironisch-kritischen Versen.
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West-östlicher Divan. Studienausgabe Reclam Verlag <<
http://tinyurl.com/26x5bc >
Sämtliche Gedichte. Sonderausgabe Insel Verlag <<
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Katharina Mommsen: Goethe und der Islam. Insel Taschenbuch <<
http://tinyurl.com/2by6hv >
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4. Gedichte wie Luftschiffe
"An Drachen hängen und über Schneefelder fliegen", so beginnt ein
Gedicht Günter Herburgers. Der Erzähler und Lyriker, der 1932 im
Allgäu geboren wurde, geht ungewöhnliche Wege. Als 22-jähriger
Sanskrit-Student bricht er in die Welt auf, verdingt sich als
Straßenarbeiter, lebt im Armenviertel. Gut 50-jährig wird er zum
Marathonläufer, startet in aller Welt - schweißtreibende Exerzitien
zur Sensibilisierung seiner Wahrnehmung. Vor allem seine "Laufbücher"
("Lauf und Wahn" / " Traum und Bahn") bezeugen phantasievoll den
(nicht nur erzählerischen) Zickzackkurs über den Erdball. In seiner
Lyrik hebt sich Herburger in die Lüfte. Im Vorwort zu "Orchideen"
(1977) empfiehlt er "Gedichte wie Luftschiffe zu benützen, denn wer
nicht zu fliegen wage, verzichte auf Übersicht und Mut". Ob "Im
Gebirge" (1998) oder mit dem Ziel auf "Die fliegende Festung" (2002)
- beide Lyrikbände sprechen für die reiche Imaginationslust des
Jubilars. Gedichte "wie vollgestopfte Schubladen, die klemmen", heißt
das Schreibprinzip, dem Günter Herburger seit Jahrzehnten folgt.
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"Lauf und Wahn" << http://tinyurl.com/2f2amh >
"Traum und Bahn" << http://tinyurl.com/2vvemx >
"Im Gebirge" << http://tinyurl.com/2cnry3 >
"Die fliegende Festung" <
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Der "Tag des Buches" am 23. April ist ein anderes UNESCO-Projekt. Der
Newsletter im April wird seinen Schwerpunkt darauf ausrichten.
Mit besten Frühlingsgrüßen
Ihre
Michaela Didyk
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