[Michaela-Didyk Newsletter] Lyrik, Kunst und Kreativität
Michaela Didyk
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Do Jan 6 23:38:52 CET 2011
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Liebe Leserinnen und Leser,
vor 25 Jahren, am 23. Januar 1986, starb Joseph Beuys. Er provozierte
mit seinen Kunstwerken, er war umstritten. Ich erlebte ihn auf der
documenta 6, als er die "Honigpumpe am Arbeitsplatz" als soziale
Plastik erläuterte. Ich erinnere mich an die Birkenstämme, die in Basel
auf dem Museumsboden lagen und mit Filz umwickelt lange vor allen
Umweltaktionen auf unseren verletzenden Umgang mit der Natur hinwiesen.
Beuys filigrane und schamanisch beseelte Zeichnungen sah ich bei einem
Pfingstausflug in die Tübinger Kunsthalle, ein Lichterlebnis, das mich
damals sehr beeindruckte.
Inzwischen weiß man, dass ein Teil von Beuys Biografie - seine Heilung
durch Tataren beispielsweise - auf Legendenbildung beruht. Die jüngsten
Gedenkausstellungen zeigen jedoch, dass die Werke ohne den Bezug auf
den Künstler und seine Auftritte einen seltsam sterilen Eindruck
hinterlassen. Beuys - Künstler, Aktionist, Performer, Politiker,
Hochschullehrer, Schamane in einem - wirkte durch seine Präsenz.
Mit seinem "erweiterten Kunstbegriff" sah er in jedem Menschen einen
Künstler. Das kreative Potenzial müsse nur freigelegt werden.
Vielseitig und unermüdlich in seinem Schaffen, war Beuys Pionier. Im
Film als historischem Brückenschlag in die 70er und 80er Jahre des
letzten Jahrhunderts bleibt Joseph Beuys in seiner zukunftsweisenden
Sicht auf die Kreativität und Eigenverantwortung des Menschen lebendig:
<http://www.youtube.com/watch?v=9DIxoM_5NyE>
<http://www.youtube.com/watch?v=08TqQEh5WLA>
Viel Vergnügen bei der heutigen Lektüre!
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1. Cy Twombly (Museum Brandhorst) - Lyrik trifft Kunst
2. E-Mail-Impulse für gute Schreibvorsätze
3. Das Sonett - auch nach 800 Jahren noch aktuell
4. Kreativität als Programm
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1. Cy Twombly (Museum Brandhorst) - Lyrik trifft Kunst
In Schreibnacht und Themenkurs gibt es online bereits die Begegnung
zwischen Malerei, Skulptur und Lyrik. Im neuen Jahr wird nun auch der
reale Museumsraum zur Schreibwerkstatt. Am 3. Februar startet die Reihe
"Lyrik trifft Kunst". Der erste Tageskurs findet im Museum Brandhorst
in München statt. Das Werk Cy Twomblys steht im Mittelpunkt.
Twomblys Bilder gelten in ihrer Leichtigkeit und Transparenz als
lyrische Schöpfungen. Der amerikanische Künstler (*1928), der in
Lexington (Virginia) und Italien lebt, nimmt direkten Bezug auf die
Dichtung. So zitiert er in seinem Werk Verszeilen von Ezra Pound oder
Rilke, setzt sich mit Mythen der Antike und der Geschichte des
Mittelmeerraumes auseinander. Gerade in seinem frühen Werk gleichen die
schriftartigen Zeichen, die sich ähnlich Graffiti oder dem Gekritzel
von Kinderzeichnungen mit Kurven oder Linienknäuel vermischen, einem
Seismographen, der die Innenwelt auf das Blatt überträgt. Twombly geht
es nicht um entzifferbare Botschaften, sondern um die Geste des
Schreibens und die Auseinandersetzung mit Literatur.
Die Lyrikerin Marion Poschmann (*1969) nimmt in einem Gedicht Bezug auf
Twomblys Gemälde "Empire of Flora" (1961), das in seiner scheinbaren
Monochromie eine Vielzahl an Weißschattierungen enthält: "die inneren
Himmel/ blendeten uns". Die mediterrane Landschaft und deren
Lichtverhältnisse inspirieren Cy Twombly, sei es in seinen
Blumenbildern oder im zwölfteiligen Lepanto-Zyklus, in dem er eine der
blutigsten Seeschlachten - 1571 im Golf von Korinth - in
Farbexplosionen und in der Überlagerung von Farbschichten dramatisch
verdichtet.
Mit einer Privatführung durch die Twombly-Räume im Museum Brandhorst
und mit werkbezogenen Schreibanregungen findet ein spannendes Treffen
zwischen Lyrik und Kunst statt. Weitere Informationen zum Tageskurs in
München finden Sie unter
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrik-werkstatt/lyrik-trifft-
kunst/>
"Empire of Flora (nach Cy Twombly)" in:
Marion Poschmann - Grund zu Schafen. Gedichte
<http://amzn.to/hD0rmH>
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2. E-Mail-Impulse für gute Schreibvorsätze
Das kreative Potenzial freilegen - so lautete die Devise von Joseph
Beuys. Die Umsetzung von Ideen und die Herausforderungen, die aus der
konkreten Arbeit entstehen, schaffen den reichen Erfahrungsschatz, der
zur Meisterschaft dazu gehört. Motivation, Raum und Zeit sind wichtige
Faktoren, um die Fähigkeiten stetig auszubauen und zu verfeinern.
Damit Sie Ihre zum Jahresanfang vorgenommenen Ziele - mehr und
regelmäßig zu schreiben - leichter erreichen, stehen Ihnen im
Lyrik-Programm die E-Mail-Impulse neu zur Verfügung. "Ein Gedicht pro
Woche" - mit oder ohne Lektorat zu buchen - erinnert Sie auf die Dauer
eines Quartals jeden Donnerstag an Ihre Schreibvorsätze. Ein weiterer
Effekt, den die E-Mail Impulse mit sich bringen: Sie kommen durch die
unterschiedlichen Vorschläge in neue Schreibbahnen. Auf zu neuen Ufern
also! Die Details lesen Sie hier:
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrik-e-mail-kurse/ein-gedicht-
pro-woche/>
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JANUAR & FEBRUAR 2011 IM ÜBERBLICK - UNTERNEHMEN LYRIK:
WERKSTÄTTEN UND ONLINE-KURSE
24. bis 25. Januar: Lyrik-Lektorat online: Manuskripte auf dem Weg in
die Öffentlichkeit - Vorbereitung, Ziele und Strategien
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrikkurse-online/
lektoratskurse/>
27. Januar: Schreibnacht online: Glück - "Hinter dem höchsten Berg/
wohnen Märchen" (Rose Ausländer)
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrikkurse-online/schreibnacht/
glueck>
3. Februar: Lyrik trifft Kunst: Cy Twombly - Museum Brandhorst München
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrik-werkstatt/lyrik-trifft-
kunst/>
13. bis 16. Februar: Lyrikthemen online: Verse schmieden, bis die
Funken schlagen. Liebesgedichte
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrikkurse-online/lyrikthemen/>
24. Februar: Schreibnacht online: Alles einsteigen! - "die Eisenbahnen/
mit ihren gewissenhaften Rädern" (Friederike Mayröcker)
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrikkurse-online/schreibnacht/>
Jederzeit möglich ist der Einstieg in das halbjährige Lyrik-Training
Abonnement
<http://www.unternehmen-lyrik.de/autorinnen-coaching/lyrik-training-
abo/>, jeweils zu Monatsbeginn können Sie die neuen E-Mail-Kurse
starten <http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/e-mail-impulse/>
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3. Das Sonett - auch nach 800 Jahren noch aktuell
"Fremdwörterbuchsonette" lautet der Titel von Ann Cottens (*1982)
erstem Gedichtband aus dem Jahr 2007. Die bekannte Sonettform in der
Kombination von je zwei Quartetten und Terzetten ist variiert: Anstatt
der gewohnten 14 Zeilen schreibt die Lyrikerin aus Iowa, die in Berlin
lebt, "Doppelsonette", einmal nur in vierzeiligen Strophen, dann wieder
mit dreizeiligen durchmischt, die Reime freier gesetzt - eine spannende
Lektüre vor dem Hintergrund einer 800-jährigen Sonett-Tradition.
Um 1230 am Hof des Stauferkaisers Friedrich II. in Sizilien erfunden,
verbreitete sich das Sonett durch ganz Europa und darüber hinaus. In 18
Kapiteln nimmt der zweite E-Mail-Kurs Bezug auf wichtige Stationen in
der Geschichte des Sonetts: Hat die Erfindung der Form in ihrer
ursprünglich exakten Silben- und Zeilenanzahl mit der Quadratur des
Kreises zu tun? Wie verflechten sich die Reime, was führt in Frankreich
- und dann in der Übernahme - beim deutschen Barock zum
Alexandrinervers, wie kommt es zur Sentenz im Shakespeare-Sonett? Was
ist ein Schweifsonett, ein Klinggedicht?
August Wilhelm Schlegel, der um 1800 das Sonett der italienischen
Vorlage anpasste und das damals zur bloß technischen Formerfüllung
geronnene "Sonettieren" erneuerte, schrieb täglich ein Sonett und kam
an tausend Texte, die er allerdings nie veröffentlichte.
Geht es im Aufbau einer Sonett-Aussage wirklich um die Schlagworte
These, Antithese und Synthese? Gibt es nicht noch einen anderen Zugang,
um den Sprung von den beiden Quartetten zu den Terzetten zu verstehen?
Wie lassen sich "bouts rimés" für das Sonett nutzen? Was hat es mit den
experimentellen Sonetten des 20. Jahrhunderts auf sich? 800 Jahre
ergeben ein vielschichtiges Gewebe.
Ziel des Sonettenkurses ist es, aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein
tieferes Verständnis für die oft als starr erlebte Gedichtform zu
vermitteln und die vielfältigen Möglichkeiten einer modernen Verwendung
aufzuzeigen. In der Schreibpraxis heißt dies, dass ein fünfzehnteiliger
Sonettenkranz entsteht, der mit seinem "Meistersonett" auch ein
Meisterstück Ihrer Feil- und Dichtkunst sein wird. Die weiteren
Informationen zur Kursanmeldung sind hier zusammengefasst:
<http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrik-e-mail-kurse/
sonettenkranz/>
Ann Cotten: "Fremdwörterbuchsonette"
<http://amzn.to/eku3Kq>
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4. Kreativität als Programm
Julia Camerons Bücher "Der Weg des Künstlers" und "Von der Kunst des
Schreibens und der spielerischen Freude, Worte fließen zu lassen"
gelten als Klassiker, um Kreativität zu steigern. Die "morning pages",
drei Seiten ohne jeden Zensor möglichst gleich nach dem Aufwachen aus
der Feder geflossen, sind eine bewährte Methode, sich frei zu
schreiben, Ballast abzuwerfen und nach einigen Wochen zu noch
brachliegendem Potenzial vorzustoßen. Abends gestellte Fragen finden
sich oft als Antworten auf den "Morgenseiten", die innere Stimme lässt
sich deutlich(er) vernehmen. Neue Themen und Perspektiven gewinnen
Raum. Allein diese Erfolgsaussicht in Camerons Konzept lohnt, sich für
einige Wochen diszipliniert auf die von ihr vorgeschlagene
Schreibpraxis einzulassen.
Der Förderung von Kreativität hat sich auch die Autorin und Trainerin
Heike Thormann verschrieben. Sie finden auf ihrer Website nicht nur
eine zusammengefasste Anleitung zu den "Morgenseiten", sondern eine
Fülle von Artikeln und Informationen, die Sie für Ihren Alltag
gewinnbringend umsetzen können. Wer über das lyrische Schreiben hinaus
Motivationsschübe oder Blockadelöser braucht, sollte also hier
schmökern und das breit angelegte Angebot einschließlich Downloads
nutzen:
<http://www.kreativesdenken.com>
<http://www.kreativesdenken.com/artikel/morgenseiten-schreiben.html>
Julia Cameron: Der Weg des Künstlers: Ein spiritueller Pfad zur
Aktivierung unserer Kreativität - <http://amzn.to/fFAgHL> oder
Dies.: Von der Kunst des Schreibens und der spielerischen Freude, Worte
fließen zu lassen - <http://amzn.to/ezxmlA>
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Für 2011 wünsche ich Ihnen ein Jahr voll Inspiration und Schreiberfolg.
Wenn wir uns in einem Kurs oder Coaching treffen, freue ich mich.
Im vergangenen September erschien ein Interview in "eXperimenta", in
dem Sie mehr über meine Ziele und Vorstellungen zur Lyrik erfahren. Die
Seiten stehen zusammen mit einem Erfahrungsbericht meiner Stipendiatin
Dietlind Frieling (2009) zum Lesen bereit:
<http://www.unternehmen-lyrik.de/ueber-mich/presse/>
Herzliche Grüße
Ihre
Michaela Didyk
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