[Michaela-Didyk Newsletter] Doppelt stark: Gedichte mit bildender Kunst gepaart
Michaela Didyk
info at michaela-didyk.de
So Okt 14 19:42:33 CEST 2007
Liebe Leserinnen und Leser,
Bertolt Brechts Stücktitel "Im Dickicht der Städte" steuerte die
Lösungszeile zum Cento-Städtespiel bei. Mit dem folgenden Link
gelangen Sie zur Auflösung des gesamten Rätsels: <
http://www.unternehmen-lyrik.de/newsletter/archiv/newsletter-juli-
august-07/cento-datei/#c243 >
Und: Die Lose sind inzwischen gezogen. Die beiden Buchgewinne - die
Auswahl fiel jeweils auf "Stimmen im Kanon" (Hg. Ulla Hahn) - gingen an
Hilde Hack (Köln) und Johanna Kuppe (Waiblingen). Herzlichen
Glückwunsch an die beiden Dichterinnen, allen leer Ausgegangenen ein
Danke fürs Mitmachen und der Trost, dass es auch in Zukunft Spiele
geben wird.
Der heutige Newsletter führt Sie u.a. nach Zürich. Hier findet Ende
Oktober eine spannende "Begegnung" zwischen Paul Celan und Joseph Beuys
statt, - ein Anlass, Kunst und Lyrik insgesamt zum Thema dieser Ausgabe
zu machen.
Viel Spaß bei der Lektüre!
1. Poetische Führungen im Kunsthaus Zürich
2. Anthologien: Gedichte und Bilder
3. Der Buchkünstler Felix Martin Furtwängler
4. Urton und Merz: Kurt Schwitters
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1. Poetische Führungen im Kunsthaus Zürich
Kunst hören und sehen - in dieser Doppelung gestaltet Barbara
Hellermann ihre poetischen Führungen im Kunsthaus Zürich. Die Reihe
startet am 30. Oktober unter dem Motto "Celan trifft Beuys". Am 29.
November folgen Liebesgedichte - "Lieb ist kein Narr der Zeit". Die
Themen "Heimat und Fremdsein" sowie "Blumenwelten" sind für Februar und
April 2008 angekündigt.
<
http://www.kunsthaus.ch/cgi-bin/kunsthaus?
ID=1t7mLtRHZmQAAFDcJLkAAABA&Q=&S=1:1:127;:::20:::1::&P=0&MT=main >
Gerade die Poesie eignet sich dazu, Worte über das Sprechen und Hören
tiefer zu erfassen. Die Sprache rückt selbst in den Mittelpunkt und
wird in ihrem Wesen erfahrbar. In der Kombination mit Bildern
überschneiden sich unterschiedliche Wahrnehmungsräume: einmal
Lautbewegung, Melodie und Rhythmus, dann Farbe und Form. Eine
Fokussierung findet statt, Gefühle verstärken sich, geraten mitunter
sogar in Widerstreit. Die Gleichzeitigkeit von Sehen und Hören und ihre
gegenseitige Steigerung setzen umso mehr Erkenntnis und schöpferisches
Potenzial frei.
"Sprachkunst" bedeutet für Barbara Hellermann, "die Sprache selber
hörbar machen". Im Dialog von Poesie und bildender Kunst weitet sich
nicht nur sinnliches Erfassen. Es verfeinert sich auch die Fähigkeit,
"Worten auf den Grund zu gehen" und noch unbekannten Sprachraum zu
öffnen.
< http://www.sprachkunst.ch >
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2. Anthologien: Gedichte und Bilder
Ob Fotografien von Robert Mapplethorpe, Zeichnungen von Cy Twombly oder
Aquarelle von Albrecht Dürer und Emil Nolde: Auch in gedruckter Form
paart sich Kunst gut mit Gedichten. "O Stern und Blume, Geist und Kleid
..." heißt es bei Clemens Brentano, dessen Vers Titel einer Anthologie
ist, die Blumenbilder und Gedichte von Leonardo da Vinci bis Ernst
Jandl vereint. Wirklichkeitsgetreu oder metaphorisch, in gegenseitiger
Untermalung oder in Gegensatz gebracht, besticht der Band in seiner
Feinheit und Vielfalt, mit der er das Blumenmotiv in der Lyrik und
Kunst durch die Jahrhunderte hindurch versammelt. Von der
allgegenwärtigen Rose bis zum Löwenzahn, der welken Blüte bis zum Samen
zeigen Bilder wie Gedichte einen Reichtum, der im Leser und Betrachter
aufgehen soll. Rose Ausländer folgert konsequent: "Wann ziehn wir ein/
ins besamte Wort ... Kein Luftschloß/ Wortall".
bei amazon:
"O Stern und Blume, Geist und Kleid ..." Hrsg. von Marianne Schneider
und Lothar Schirmer < http://tinyurl.com/ynsdgw >
Bilder und Skulpturen in dichterisches Wort übersetzt, macht eine
andere Anthologie zu ihrem Auswahlprinzip. In dem von Gisbert Kranz
herausgegebenen Band wird die Kunst selbst Thema. Perspektiven,
Deutungen, die die Dichter in ihren Versen vorgeben, laden den Leser,
die Leserin zum Nachvollzug und zum Dialog über die Rezeption eines
Kunstwerks ein.
bei amazon:
Gisbert Kranz: Gedichte auf Bilder < http://tinyurl.com/2v5xbw >
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3. Der Buchkünstler Felix Martin Furtwängler
Den umgekehrten Weg, Sprache zur Bildkunst zu machen, geht Felix Martin
Furtwängler (*1954). In seinen Künstlerbüchern und Buchobjekten ist der
expressionistische Einfluss spürbar, - auch in der Hinwendung zu
Dichtern dieser Epoche, deren Werk er neben eigenen Texten illustriert.
Holz- und Linolschnitte, Radierungen und farbintensive Bilder bzw.
Übermalungen zeichnen sein umfangreiches Oeuvre aus. Die Lyrik von
Gottfried Benn, Georg Trakl oder Georg Heym, von August Stramm oder
Else Lasker-Schüler wandeln sich in seiner Bearbeitung zu einer neuen
Einheit von Wort und Bild.
Angst, Verlassenheit und Resignation sind Leitmotive Furtwänglers. Und
dennoch durchziehen Humor und Hoffnung sein Werk, wenn Papier, Farbe
und Druck neue Räume öffnen, - durchaus im wörtlichen Sinn. In der
Vielfalt der Techniken nämlich, mit denen der Künstler Wortbilder und
Bildsprache verschmilzt, wird beispielsweise der Karton durch Schnitte
aufklappbar und enthüllt bisher verborgene Dimension.
Der Katalog "Poeta wohin?" - repräsentative Ausstellungen fanden in der
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und in der Bayerischen
Staatsbibliothek München statt - fasst Arbeiten Furtwänglers
eindrücklich zusammen.
Ausstellungsverweise:
Wolfenbüttel 2002:
http://diglib.hab.de/periodica/wbi/2002_2003-27_28-1_2/start.htm
München 2005:
http://www.bsb-muenchen.de/
Archiv_Einzeldarstellung.404+M5d576b9d425.0.html?
&L=0tx_ttnews%5Bpointer%5D%3D3
Katalog bei amazon:
Felix Martin Furtwängler: "Poeta wohin?: Manchmal, wenn Text und Bild
eins werden." < http://tinyurl.com/2929rx >
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4. Urton und Merz: Kurt Schwitters
Künstler und Lyriker in einer Person ist Kurt Schwitters (1887-1948).
Ob mit den bekannten "Merz"-Bildern oder der "Merz"-Dichtung - die
Sprache wird dem Rundumkünstler zum Experiment. Aus ComMERZbank, einem
Zeitungsfragment auf einer Collage von 1919 entnommen, wählt
Schwitters fortan die auffällige Silbe als Sammelbegriff seiner Kunst.
In den vielfältigen Assoziationen von März und Frühlingsaufbruch bis
zum Ausmerzen und Löschen unliebsamer Dinge steht "Merzen" für das
Sammeln unterschiedlicher Materialien, um sie in neuer Struktur
zusammenzufügen und weiter wachsen zu lassen.
Stimme, Rhythmus und Lautstärke sind in solcher Weise die "Basis" der
Texte, die Kurt Schwitters in zahlreichen eigenen Lesungen zum Besten
gibt. Die "Ursonate" bzw. "Sonate in Urtönen" gilt ihm selbst als seine
wichtigste dichterische Arbeit. Das Werk liegt nicht nur in der
Druckfassung vor, sondern ist auch heute noch auf CD im Originalton
Schwitters zu hören. Wer zudem Fotografien der Vorführung sehen möchte
oder überhaupt Informationen zu Künstler und Werk sucht, ist mit der
umfassenden Website http://www.kurt-schwitters.org/ gut versorgt.
bei amazon:
CD mit "Original Performance by Kurt Schwitters": <
http://tinyurl.com/372qrg >
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Die Geschenklisten für Weihnachten nahen. Vielleicht ist mit Felix
Martin Furtwänglers Band oder der Blumen-Anthologie bereits ein Wunsch
konkretisiert. Bis zum November-Newsletter wünsche ich Ihnen zunächst
jedoch noch goldene Herbsttage.
Ihre
Michaela Didyk
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