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[Michaela-Didyk Newsletter] Hongkong und die Aufmerksamkeit gegenüber Fremdem

Michaela Didyk info at michaela-didyk.de
Fr Apr 25 01:45:22 CEST 2008


Liebe Leserinnen und Leser,

der Welttag des Buches - zum Todestag von Shakespeare und Cervantes am  
23. April eingeführt - stand heuer im Zeichen des Internationalen  
Jahres der Sprache: Die Sprache hat viele Facetten, auch Bilder  
sprechen.
In seinem Fotoprojekt  "The Diagonal Mirror" wirft der in Basel lebende  
Künstler Martin Zeller einen ungewöhnlichen Blick auf Hongkong.  Die  
Tradition chinesischer Malerei aufnehmend, die keinen Horizont und  
Fluchtpunkt kennt, stellt er eine spannende Verbindung östlicher und  
westlicher, alter und neuer Kultur her. Die Aufmerksamkeit gegenüber  
Fremdem ist heute Schwerpunkt des Newsletters.

Viel Spaß bei Ihrer Lektüre!
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1. Präsentation im Literaturhaus Basel: Martin Zellers Bildband "The  
Diagonal Mirror"
2. Ilse und Pierre Garniers Raumpoesie
3. "Bayern liest kroatisch" - ein Lesungsprojekt im Literaturhaus  
München und Lyrik-Kabinett
4. Dauerausstellung in Solingen: "Die verbrannten Dichter"
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1. Präsentation im Literaturhaus Basel: "The Diagonal Mirror" von  
Martin Zeller

In extremen Hoch- und Querformaten fotografiert Martin Zeller, 1962 in  
Mannheim geboren, die urbane Landschaft Hongkongs und platziert diese  
Ausschnitte in diagonaler Überschneidung an der Wand. Nicht der Glanz  
der Stadt, sondern die Nacht, die Ränder - alte Wohnviertel oder  
städtebauliche Entwicklungszonen ehemals traditioneller Lebensräume -  
sind das Sujet seiner Fotoarbeiten. Die Häuser und Straßen sind voller  
Details, doch sie scheinen dem Raum enthoben. Das am gängigen  
Bildrechteck ausgerichtete Auge des Betrachters findet keinen sicheren  
Einstieg: Nicht nur der ideale Blickwinkel fehlt, auch die gewohnte  
Dominanz des Bildes löst sich auf. Der umgebende Ausstellungsraum ist  
gleichwertig geworden und bezieht reflektierend die Position des  
Schauenden ein.
<  
http://www.unternehmen-lyrik.de/newsletter/archiv/newsletter-april 
-2008/martin-zeller-the-diagonal-mirror/>

Der soeben im Kehrer Verlag erschienene Katalog "The Diagonal Mirror"  
umfasst die fotografischen Arbeiten von Martin Zellers Hongkong-Projekt  
aus den Jahren 2004 bis 2007. Der Bildband wird am Freitag, 25. April,  
19 Uhr, im Literaturhaus Basel  in einer Lesungs- und Gesprächsrunde  
vorgestellt. Wolfgang Kubin (Professur für Sinologe in Bonn, Übersetzer  
und Schriftsteller), Leung Ping-kwan (Professur Chinesische Literatur-  
und Filmgeschichte in Hongkong, Autor) und Heinz Stahlhut  
(Sammlungsleiter Bildende Kunst an der Berlinischen Galerie -  
Landesmuseum für Moderne Kunst), die Essays zum Katalog beisteuerten,  
diskutieren mit dem Künstler über Hongkong als "eine der  
faszinierendsten Metropolen der Welt". Außerdem lesen Wolfgang Kubin  
und Leung Ping-kwan aus ihrem literarischen Werk.
Weitere Informationen zum Abendprogramm: <  
http://www.literaturhaus-basel.ch >

Martin Zeller: < http://www.studiozeller.com >
Zum Verlag:<  
http://www.artbooksheidelberg.com/html/detail/de/martin-zeller-978-3 
-939583-88-2.html >
Bei Amazon: < http://tinyurl.com/5atwpb >
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2.  Ilse und Pierre Garniers "Raumpoesie"

Den gewohnten Blick fordern auch Ilse und Pierre Garnier (*1927 bzw.  
1928) mit ihrer Dichtung heraus. Losgelöst von der Linearität  
erschaffen sie mit Worten, mit Buchstaben lyrische Bildräume. Mit ihrer  
"Poésie spatiale" gehören die beiden Künstler zur Avantgarde der  
französischen Gegenwartsliteratur.
Die Strömungen der Konkreten Poesie, die teilweise noch in der strengen  
Anordnung von Wortkolonnen spürbar ist, führen sie ab Mitte der 60er in  
frei fließende Raumkunst über. Rhythmen entstehen, Verdichtungen,  
Leerräume. Nicht mehr gilt uneingeschränkt die "präzise Mechanik" einer  
konkreten Poesievorstellung, sondern die Sprache wird zu einem  
"lebendigen, mit Energie geladenen Organismus". Die spontanen  
Bewegungen der Hand, die Geschwindigkeit der Finger oder die  
Verzögerung durch Schreibmaschinentasten (zumindest in den 60er Jahren)  
machen das Dichten zur "actionpoetry", zur Schreibaktion, die das Wort  
aus der geschlossenen Struktur befreit. Zunehmend wandeln sich später  
Bild und Wort zu fragilen Kompositionen. Die Andeutung und  
Selbstgenügsamkeit weniger Striche und Worte nimmt zu. Der leere Raum  
und die Dimensionen, aus denen Dichtung entsteht, vermitteln sich in  
der Weite solcher Anordnung. Hinzugefügte Zitate lenken vorsichtig  
Assoziationen, werfen ihre Anker aus, so dass sich filigrane Bezüge für  
Geschichten, Geschichtsräume ergeben.

Textbeispiele: <  
http://www.unternehmen-lyrik.de/newsletter/archiv/newsletter-april 
-2008/ilse-und-pierre-garnier-poesie-spatiale/>
Bei Amazon:< http://tinyurl.com/5rmfcv >
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3. "Bayern liest kroatisch" - ein Lesungsprojekt im Literaturhaus  
München und Lyrik-Kabinett

Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse stand die Literaturlandschaft  
Kroatien im Mittelpunkt. Zwischen den Kulturen Südosteuropas nimmt sie  
eine wichtige Vermittlerrolle ein. Um über das Rampenlicht der  
Buchmesse hinaus die Kontakte zu vertiefen und weiter auszubauen, wurde  
ein langfristig angelegtes Austauschprojekt zwischen der kroatischen  
und bayerischen Literaturszene angeregt. Mit drei Veranstaltungen  
startete "Bayern liest kroatisch" im April nun in München. Zwei Abende  
sind im Literaturhaus München dem Romanwerk kroatischer Autorinnen und  
Autoren und ihren Schriftstellerkollegen aus Bayern gewidmet.
Bayern liest kroatisch II: <  
http://www.literaturhaus-muenchen.de/programm/veranstaltung.asp?ID=5190  
 >

Am 29. Mai stellen sich im Lyrik-Kabinett München die Dichterin und  
Fotografin Andriana Škunca (*1944) und der Autor und Literaturkritiker  
Delimir Resicki (*1960) vor. Hier wird Dagmar Leupold (*1955) als  
deutsche Dichterin und Romanautorin mit ihren beiden Kollegen im  
Erfahrungsaustausch stehen.
Andriana Škuncas Gedichte haben die landschaftliche Schroffheit und  
Kargheit der Adria-Insel Pag zum Thema. Dort verbrachte sie ihre  
Kindheit und lebt auf der Insel auch jetzt noch einen großen Teil des  
Jahres. Mit ihren Prosagedichten nimmt sie in der zeitgenössischen  
kroatischen Literatur eine wichtige Stellung ein. In Delimir Resickis  
Lyrik öffnet sich der Raum traditionsreicher Stadtkultur und ihrer  
vielfältigen Vernetzung. Seine Texte sind in zwölf Sprachen übersetzt,  
sein Gedichtband "Arrhythmie" ist 2008 in der Edition Korrespondenzen  
erschienen.

Bayern liest kroatisch III: <  
http://www.lyrik-kabinett.de/index.php?t=1&s=1>
  "Arrhythmie" bei Amazon: < http://tinyurl.com/3rf9o2 >
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4. Dauerausstellung in Solingen: "Die verbrannten Dichter"

Im Mai 1933 loderten in zahlreichen deutschen Städten die  
Scheiterhaufen der Bücherverbrennung. Erst 1977 hat der Hamburger  
Publizist Jürgen Serke mit seinem Buch "Die verbrannten Dichter" die  
NS-verfemten Künstler wieder ins Gedächtnis zurückgeholt. Erstausgaben,  
Manuskripte, Briefe und Fotos, die Serge zu einer bedeutenden Sammlung  
zusammentrug, sind seit Ende März nun in einem Kernbestand als  
Dauerausstellung im Solinger Museum Baden zu sehen. Bilder "entarteter"  
Künstler ergänzen die Literatur-Dokumentation und machen das Museum zum  
Erinnerungsort für die ausgelöschte Generation.

http://www.museum-baden.de/
Eine Leseprobe des Katalogs zur Ausstellung "himmel und hölle zwischen  
1918 und 1989. die verbrannten dichter. sammlung jürgen serke" kann auf  
der Museumsseite heruntergeladen werden:
http://www.da-li.de/presse/

Jürgen Serkes "Die verbrannten Dichter" bei Amazon:  
http://tinyurl.com/6cwrdm
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Mit besten Wünschen für einen sonnigen und grünen Mai
Ihre
Michaela Didyk


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