[Michaela-Didyk Newsletter] Doppelt über Sprachgrenzen hinaus: Klang und Kunstinstallation in der Schweiz
Michaela Didyk
info at michaela-didyk.de
Do Jun 14 09:09:33 CEST 2007
Liebe Leserinnen und Leser,
Wort, Bild und Musik verschwistern sich gern. So führt Sie der heutige
Newsletter mit "Leselampe", Klang und Kunstinstallation in die
deutschsprachige Schweiz.
Viel Vergnügen auf Ihrer Erkundungsreise und einen besonderen Gruß an
die Schweizer AbonnentInnen.
1. Kenner der Lautpoesie: Urs Engeler und Christian Scholz
2. Andreas Neesers Gedichte: "Und wo das Verstehen aufhört, beginnt die
Musik."
3. "Dialog im Schatten" - Erika Wagners Installation zum Briefwechsel
von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze
4. Nicht nur mit Leselampe interessant: Das "Müllerhaus. Literatur und
Sprache"
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1. Kenner der Lautpoesie: Urs Engeler und Christian Scholz
Lyrikpublikationen in der Schweiz - kein Weg führt hier an Urs Engeler
und seinem Verlag vorbei. Mit seinem internationalen Programm setzt der
Herausgeber über die Landesgrenzen hinweg Akzente, sei es mit der
bereits im Newsletter (August 06) vorgestellten Zeitschrift "Zwischen
den Zeilen" oder den anspruchsvollen Dichterreihen. Wer Strömungen
erfassen will, den Überblick sucht, ist hier an der richtigen Stelle.
So ist zwar die folgende Anthologie - erschienen 2003 - nicht mehr neu,
aber immer noch einzigartig. Der von Engeler und Christian Scholz
herausgegebene Band "Fümms bö wö tää zää Uu. Stimmen und Klänge der
Lautpoesie" lädt seine LeserInnen ein, quer durch die Jahrhunderte,
quer durch die Kontinente dem Klangzauber zu folgen. Auf der
beigelegten CD lassen sich - mit dafür exklusiven Aufnahmen - wichtige
zeitgenössische LautdichterInnen hören. Keine streng wissenschaftliche
Abhandlung, sondern das - geglückte - Unternehmen, die Fülle des
Materials zu sichten, brachte eine Mischung lautpoetischer Texte und
poetologischer Reflexionen hervor. Dass der Klang dabei von manchem
Künstler nicht nur mit Hilfe von Notenzeichen festgehalten ist, sondern
sich dem Bild einer "Geheimschrift" annähert, macht zudem die grafische
Gestaltung des Buches deutlich und auch fürs Auge zum Genuss; eine
Anthologie für sinnenreiche Entdeckungen:
Anthologie bei Amazon: < http://tinyurl.com/375wpa >
Urs Engeler Editor allgemein: < http://www.engeler.de/ >
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2. Andreas Neesers Gedichte: "Und wo das Verstehen aufhört, beginnt die
Musik."
Einen "Mann der leisen Zwischentöne" nannte ein Rezensent den Schweizer
Autor Andreas Neeser (*1964), der u. a. 2004 mit dem Lyrikpreis Meran
ausgezeichnet wurde. "Schichtungen", 2006 erschienen, oder schon zuvor
"Treibholz" und "Gras wächst nach innen" sind Gedichtbände, in denen
Neeser seine Sprachkraft zeigt. Ob Tod und Abschied oder die
Erfahrungen fremder Länder - Neeser lebte zeitweise in London,
Lissabon, Paris und Berlin -, die Bilder öffnen weiten Raum: "Am
Wegrecht vorbei/ der Aufstieg durchs Land unserer Mütter.// Blank liegt
die Steinader, Gras". Das Unterwegs sein zwischen den Worten wird zum
steten Antrieb, das Unsichtbare und Sprachlose zu erfahren. "Und wo das
Verstehen aufhört, beginnt die Musik", kommentiert der Dichter sein
Arbeiten selbst.
So verwundert es nicht, dass Texte von Andreas Neeser vertont wurden
(von Michael Schneider und Meinrad Schütter) und zu seinem Werk auch
ein Opernlibretto zählt. Der neueste Band "Grenzland. Ein Klangbuch"
ist eine Zusammenarbeit mit dem Basler Cellisten Martin Merker. Im
Zusammenwirken von Sprache und Musik entstehen neue Klang- und
Bildwelten. Für ihr erstes gemeinsames Projekt wurden Martin Merker und
Andreas Neeser Anfang des Jahres als "Pro Argovia Artists 2007/2008"
ausgezeichnet.
Zu Andreas Neeser: < http://www.andreasneeser.ch >
Die genannten Gedichtbände: < http://tinyurl.com/2ak4lp > und <
http://www.andreasneeser.ch/bibliografie/ >
"Grenzland. Ein Klangbuch" (Im Erscheinen): <
http://www.andreasneeser.ch/projekte/stimme_und_cello/ >
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3. "Dialog im Schatten" - Erika Wagners Installation zum Briefwechsel
von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze
Erika Wagner (*1974), Künstlerin und Lyrikerin aus Luzern, nimmt den
Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze zum
Ausgangspunkt ihrer neuen Installation. Die Schriftstücke, zwischen
1952-1973 verfasst und 2004 auf Wunsch Henzes veröffentlicht, geben
Einblick in die intensive Verbindung der Dichterin und des Komponisten.
Der Austausch über die Arbeit, die Sehnsucht nach Nähe und die
Unmöglichkeit, diese zu leben, werden immer wieder deutlich.
Erika Wagner projiziert Brieffragmente auf beide Seiten einer Folie in
der Mitte eines Raumes. Farbige Sprachfelder entstehen, setzen den
Dialog in sinnliche Erfahrung um. Schrift und Spiegelschrift
verflechten sich ineinander, zeigen Distanz und Nähe und werden für den
Besucher als intimer Dialog interaktiv erlebbar. Denn nur wenn er
selbst diesen "Gesprächsraum" betritt, d.h. seinen eigenen
Schlagschatten auf die Folie wirft, sind die Texte zu lesen. Die Worte
öffnen sich in solch intermedialem Zusammenwirken von Schrift und
Projektion, Körper und Schatten. Der gemeinsame Schaffenswille und die
dennoch unterschiedlichen Perspektiven - Bachmanns Dichtung und Henzes
Musik - kommen ins Spiel. Die Unerreichbarkeit des anderen, die Utopie
wird bewusst, "mittels Botschaften räumliche Distanz überwinden zu
können." (Erika Wagner)
Die Installation "Dialog im Schatten" ist vom 16. bis 28. Juni in
Luzern (Orell Füssli, Frankenstrasse 7/ 9) zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 Uhr - 18.30 Uhr, Donnerstag 9 Uhr
- 20 Uhr, Samstag 9 Uhr - 16 Uhr, Sonntag 10 Uhr - 16 Uhr oder auf
Wunsch auch nach Vereinbarung:
< http://www.unternehmen-lyrik.de/index.php?id=84 >
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4. Nicht nur mit Leselampe interessant: Das "Müllerhaus. Literatur und
Sprache"
Andreas Neeser begegnet Ihnen hier noch einmal als Leiter des Aargauer
Literatur- und Sprachhauses in Lenzburg. Als "schönstes Aargauer
Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert" wurde das Müllerhaus - so genannt
nach seinen letzten Besitzern - nach der Renovierung 2004 der
Öffentlichkeit übergeben. Schon zuvor war es ein kulturelles Zentrum,
das mit bekannten Namen wie Ernst Klee oder Hermann Hesse, Theodor
Heuss oder Albert Schweitzer verbunden war.
Neben seiner Schreibwerkstatt und Leseförderung sticht das Müllerhaus
vor allem durch sein spezielles Programm für junge Menschen heraus. Im
"Jungen Müllerhaus" werden die Talente nicht nur im Poetry Slam geweckt
und verfeinert. Ein junges Team gestaltet das Kulturprogramm selbst.
Und die Leselampe? Sie brennt jeweils zehn Minuten und steht nebst
Tisch für AutorInnen bereit, die sowohl eigene Texte als auch Publikum
zu ihrer Lesung mitbringen. Nächster Termin der "Leselampe" ist am 19.
September 2007.
Müllerhaus allgemein: < http://www.muellerhaus.ch >
Leselampe: < http://www.muellerhaus.ch/aktuell/die_leselampe/ >
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Mit einem Sommerquiz beginnt die Reisezeit. Lassen Sie sich im
Juli-Newsletter überraschen. Bis dahin wünsche ich Ihnen beschwingte
Wochen.
Herzliche Grüße
Ihre
Michaela Didyk
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